bpz - baupraxis zeitung  (Ausgabe 5/2001)

Bausoftware aus der Praxis

Softwarequalität wirkt auch in den Betrieb hinein

Zwischen Preis und Leistung bietet die Softwarebranche der Bauwirtschaft ihre Erzeugnisse an. Doch hinter mühsam ermittelten Vergleichszahlen sucht der Entscheider auch die Kompetenz des Partners und „den Stil“ seines Produktes. In jeder Branche gibt es „das gewisse Etwas“. Ein Bauherr steht „auf der Handschrift des Architekten“, beim Auto besticht „das Fahrgefühl“, im Kultrestaurant „wird mit Liebe gekocht“.  Wo liegen die erogenen Zonen einer Software? - Ein bpz-Portrait von einem Softwarehaus, dessen Geschäftsführer zugleich Chefkalkulator in einem Bauunternehmen ist.

 


"Die Qualität der Software trägt entscheidend zum Betriebsergebnis bei", 
Bakara Geschäftsführer Jürgen Kunz

Juli 1978: Im hessischen Wetzlar betreibt die 1883 gegründete Baugesellschaft  J.G. Müller mbH mit 500 Mitarbeitern den Ingenieur-, Hoch- und Tiefbau. Ganz gleich, wie die Konjunktur gerade läuft  - man setzt im Hause Müller stets auf sorgfältig kalkulierte Angebote. Dabei stieß der Chefkalkulator, Dipl.-Ing. Jürgen Kunz, mit seinen Ansprüchen immer wieder an die Grenzen seiner MDT-Anlage. „Wenn der Markt uns das nicht bietet, machen wir das selbst." Jürgen Kunz wurde Software-Entwickler, programmierte PC-DOS und machte aus seinem Kalkulationsprogramm eine Bausoftware. Von ARGE-Partnern kam die Anregung, das System in der Branche anzubieten. Bei der Neuprogrammierung in Windows wurde sie verwirklicht.

1995: In der Nachbarstadt Gießen wird die Bakara Software- und Beratungs-GmbH gegründet, Geschäftsführer Jürgen Kunz. Das Haus Müller ist dem Softwarestarter auf Gesellschafterebene verbunden.

1999: Der Vertrieb wird ausgebaut, bauerfahrene Vertriebspartner gewonnen. Man expandiert langsam, aber in der Qualität „will man schon mitmischen.". Das zeigen die regen Updates: 4 in 1997; 6 in 1998; 6 in 1999 und 4 in 2000, darunter die 32-bit-Version.

Anwender in jeder Größe

Die in den ersten zwei Jahren gewonnen Kunden liegen im Hoch-, Tief-, Straßen- und Ingenieurbau. Indiz für die Flexibilität des Systems sind ferner Installationen in der Bauunterhaltung, dem Gala-Bau und im Baunebengewerbe wie Rohrleitungsbau und Industriefußböden.

Die Anwender sind je zur Hälfte Umsteiger von alten DOS-Anlagen mit Hardware-Austausch und unzufriedene Windows-Benutzer. Typische Kunden sind 15-150 Mann-Betriebe mit 3-15 vernetzten Arbeitsplätzen und Laptops auf den Baustellen. Mit der Einstiegsversion ab DM 3.9oo erhält auch der Kleinbetrieb schnelle IT-Hilfe. 

Der Unternehmer als Verkäufer

„Der Akquisiteur muß sich beim Angebot auf eine sorgfältige Kalkulation verlassen können“, so Geschäftsführer Jürgen Kunz. Er sieht in der nachvollziehbaren Kalkulation einen Unternehmensstandard, der über das einzelne Angebot hinaus geht. Und sie ist mehr als die ausführende Funktion, nicht nur „die Kunst des Möglichen“, sondern „die treibende Kraft für das ganze Unternehmen“ Der Preisdruck des Markts muß permanent in Kostendruck und Produktivität umgesetzt werden. Dafür ist die EDV auszulegen. So muß sie vom Management verstanden werden, damit es die neuen Möglichkeiten in seine Planung und seine unternehmerischen Inspirationen einbeziehen kann. 

Den Kalkulator aufwerten

Das Fahrgefühl beim Auto ist die Synthese von Funktion und Erfahrung und entlastet den Fahrer durch  intuitiven Gebrauch. Mit WinBakara hat der Kalkulator ein Instrument, die Qualität seiner Datenquellen mit seinen persönlichen Ideen und Erfahrungen zu verknüpfen. Im magischen Dreieck von Kapazität, Marktpreis und möglichem Gewinn spielt er mit einer in zwanzig Jahren entwickelten Dialogtechnik eine Vielzahl von Varianten durch. Eine Kalkulationskultur, die es nicht umsonst gibt, die aber der hohen Verantwortung für die Beschäftigung eines Unternehmens gerecht wird. .

Erste Gewinne im Einkauf

Mit dem Kalkulator vernetzt wird der Einkauf umgehend von der Ausschreibung informiert, damit er die objekt­relevanten Materialien und Nachunternehmerleistungen anfragen und aushandeln kann. „Nur wenn eine gute Teamarbeit besteht“, so Kunz, „ kann die Firma erfolgreich anbieten.“

Bauleiter als Unternehmer

Der Bauleiter nutzt die Software intensiv, um Bauablauf und Kostenentwicklung immer im Griff zu haben. Die Arbeitsvorbereitung unterstützt ihn durch Umsetzen der Vorgaben in die Bauzeitenplanung und mit Listen für die Kostenvorgabe und die Planung der Schalungseinsätze.

Mit Beginn der Bauausführung übernimmt der Bauleiter mit Laptop oder Notebook die Mengenermittlung und Ist-Erfassung sowie die Überwachung der Subunternehmerleistungen. Soll-Ist-Vergleiche und Bauzeitenplan zeigen ihm Verlauf und Abweichungen. Die wesentlichen Angebots- und Vertragsdaten sowie die aktuellen Projektdaten bis zum letzten Abrechnungsstand kann er über die Software jederzeit einsehen. Für Gespräche mit Architekten und Bauherren ist er damit bestens vorbereitet. Mit Zugriff auf die Stammdaten kann er Nachträge kalkulieren. Mit dieser Entscheidungskompetenz kann der Bauleiter zunehmend unternehmerische Verantwortung für das Projekt übernehmen.

Polier steuert Kosten

Die mit dem Bauleiter abgestimmten Soll-Vorgaben werden in der Kolonne angewiesen, die Ist-Zeiten per Tagesbericht im Notebook erfaßt. Je kurzfristiger der Soll-Ist-Vergleich gewählt wird, um so wirkungsvoller kann der Polier bezüglich Technik, Disposition und Mitarbeiterführung reagieren und seine Kosten steuern. 

Das Software-System

Die meisten Interessenten suchen zunächst eine Software-Lösung für den Kalkulator. Sie soll ihn bei seiner Arbeit schneller und qualifizierter zum Ergebnis führen, aber seine gewohnte Arbeitsmethode und seine wertvollen Erfahrungen nicht einschränken. Die WinBakara-Kalkulation bietet zunächst eine „lehrbuchmäßige“ Gliederung in die horizontale und vertikale Kalkulation. Auf dieser Basis aufbauend müssen die speziellen betrieblichen Methoden abgebildet werden. Je spezialisierter ein Unternehmen seine Leistungen anbietet, um so ungewöhnlicher sind oft die verwendeten Kalkulationsmethoden. Mancher Interessent erwartet z.B., daß die WinBakara-Angebotssumme auf den Pfennig seiner bisherigen Kalkulation entspricht. Als Beispiel mag ein Unternehmen dienen, das auf Industriefußböden spezialisiert ist. Die Firma W. verwendet je nach Herstellungsmethode wie Vakuumbeton, Fließbeton oder Stahlfaserbeton eines von drei detailliert ausgearbeiteten Kalkulations-Schemata, die nach Flächen zu je 1000 m2 untergliedert sind. Außerdem war der Akkordlohn zu berücksichtigen. Der Kunde ist führend in diesem Gewerk und muß pro Jahr ca. 1000 Angebote erstellen. Es war eine geeignete Organisation für die Stammpositionen zu finden und ein Satz von Musterobjekten zusammenzustellen. Der Kalkulator kann jetzt je nach Betonsorte und Bodenfläche das passende Musterobjekt auswählen und hat sofort sämtliche Parameter sowie ein LV-Gerüst zur Verfügung. Damit konnte die Kalkulation entscheidend beschleunigt werden.

Die Kalkulationsqualität wirkt nicht nur nach außen auf Architekt und Bauherrn, sondern auch in den Betrieb hinein. Die Vorgaben werden von BL, Polier und Mitarbeitern besser anerkannt. Transparenz und Fairneß erweisen sich als Motivator und fördern die Bereitschaft, mitzudenken und an der Produktivität zu arbeiten.

Durchblick dank Windows

Für die Übersichtlichkeit im Systembetrieb sorgt der Objekt-Manager. Die Zugriffsrechte der Benutzergruppen wie Geschäftsleitung, Finanz, Verwaltung, Kalkulator, BL und Einkauf werden durch eine Bedienerverwaltung geordnet und gemanagt. Es können eigene Stammdaten und Vergleichsobjekte sowie Datenkataloge Dritter wie Mittag/BAUM  und KEBau/HOB mit VOB-Text, aktuellen Zeitwerten und Baupreisen, auch in Euro, vorgehalten werden.Für Kalkulation und Ausschreibung wählt man Kurz- und/oder Langtexte. Für die Datenbank besteht Systemfreiheit.

Über Schnittstellen GAEB DA 83-85, Astra und DATANORM werden vom Ausschreibenden bzw. Lieferanten übersandte Daten, auch über Internet, eingelesen. Mit der Funktion „Angebot importieren" holt der Einkauf Nachunternehmerpreise ein.

Ohne Stau: Vom Angebot bis zur Abrechnung

Die eingehenden Ausschreibungen werden visuell auf Leistungs­umfang und benötigte Kapazitäten geprüft. Für eine schnelle Vorkalkulation sind die Ergonomie des Programms und der intelligente Aufbau der Stammdaten ausschlaggebend.    

Aus der Vorkalkulation ergeben sich die Angebotsschwerpunkte, auf die sich der Kalkulator konzentrieren muß. Für die Kalkulationsentscheidung kommen die Recherchen in der Nachkal­ku­lation dazu. Wenn die ausgefilterten Ausschreibungen auf dem Tisch liegen entscheidet man sich für die Objekte, bei denen man über praktische Erfahrungen verfügt. Kalkuliert wird nach EP, EKT und Ansatzstämmen, mit Zuschlägen nach Kostenarten, über die Endsumme oder nach beiden Methoden kombiniert. EKTs und die erreichte Kalkulationssumme werden laufend angezeigt.

Die Arbeitsvorbereitung ordnet den Lohnleistungen der Kalkulation den Bauarbeitsschlüssel (BAS) zu. Arbeitspakete werden angelegt und in den Bauzeitenplan exportiert. Hierzu bietet das System eine Schnittstelle zur Software PowerProject teamPlan der ASTA GmbH.

Mengen und Kosten werden systemfrei nach konstruktiven Bau- oder Gebäudeteilen ermittelt. Zur Feststellung von GK-Unter- oder Überdeckung entsprechend VOB steht der Mengen-Soll-Ist-Vergleich zur Verfügung. Bei Selbstausschreibung werden die ermittelten Mengen als Angebotsmengen in das LV eingesetzt.

Die technische Nachkalkulation beginnt mit der Ist-Erfassung auf der Baustelle. Bei Laptop-Einsatz sind Personalstämme und Soll-Werte aufbereitet vorgegeben. Die Daten laufen, meist über ISDN oder e-mail, personenbezogen in die Lohnbuchhaltung, unabhängig von Software oder RZ, und nach BAS in die Stundenverwaltung der Projektsteuerung sowie in die Nachkalkulation.


Auch die Schwarzbachtalbrücke der J.G. Müller GmbH im 
Thüringer Wald (A 71) wurde mit WinBakara gemanagt

 

Beratung und Einführung

Das Erfahrungsspektrum aus Baupraxis und innovativer Softwareentwicklung wird vom Anbieter in Form individueller Beratung weitergegeben. Für die Phase der Softwareimplementierung beim Nutzer wird darüber hinaus Unterstützung und eine Hotline angeboten. Der Einstieg wird durch die modulare Softwarearchitektur erleichtert, die auch bei einer zunächst reduzierten Funktionsanwendung zum Ergebnis führt. Der Kalkulator kann z.B. den Mittellohn wie bisher ermitteln und eingeben und die automatische Berechnung erst dann einsetzen, wenn er Routine erworben hat.

Die e-Welt

Die Reserven am Bau liegen in Echtzeitbetrieb und Vernetzung. Die Vorteile laufen auf den Bauleiter zu, der mit Information und Entscheidungskompetenz aufgewertet wird.  Die Erfahrung zeigt, daß hier große Führungspotentiale zu entwickeln sind. Der Schwerpunkt des Bakara-Angebotes liegt deshalb in der Wertschöpfung durch Verknüpfung. Sie ist zugleich Voraussetzung für den losgetretenen Boom des e-commerce mit Ausschreibungsdatenbanken, Warenwirtschaft  und virtuellen Kooperationen. Die Logistik dafür hat das Programmsystem bereits unter der Haube.

Entscheidungshilfe im Internet

Interessierte Unternehmen suchen zunächst eine moderne Kalkulation. „Aber selbst bei einem zweistündigen Termin können die umfangreichen Funktionen der Module nicht vollständig aufgezeigt werden". So Vertriebsleiter Eberhard Rinn. Auch hier hilft das Internet. Unter www.bakara.de findet der Leser den kompletten Leistungsumfang. Interessenten sind außerdem eingeladen, sich die Demoversion herunter zu laden, die Funktionen zu testen und ihren eigenen Kalkulationsstil mit den Möglichkeiten dieser Software zu verbinden. Die Zeit läuft. Der Bau wird nicht abseits stehen, wenn der DIHT das Jahr 2001 zum Jahr des e-business erklärt hat.

Rudolf Klinghardt

 

 

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